Diskussion um Download-Flatrate
Wie "Manager-Magazin.de" und die "Süddeutsche Zeitung" kürzlich unisono berichteten, ist die Flatrate für Music-Downloads eines der heissen Eisen, die derzeit im Bezug auf digitale Verbreitung von Musik geschmiedet werden. Die Berichte verweisen auf Gespräche zwischend den Majors und der amerikanischen Firma Apple, die durch ihr Internet-Angebot "iTunes" Zugang zu c.a. 50 Millionen Usern habe.
Dies ist ein neuer Anlauf der Musikindustrie die weiterhin bröckelnden Verkaufszahlen wieder in den Griff zu bekommen und auf dem digitalen Sektor gegenzusteuern.
Kommentar mediaConsulting:
Unverständlich und typisch zugleich, dass die Majors mal wieder dem "schnellen Geld" hinterherlaufen und sich nicht selbst eine Plattform schaffen, ein attraktives Angebot zu lancieren und unter Umgehung eines Zwischenhandels die Ware Musik selbst zu vermarkten. Waren in der Vergangenheit überwiegend physische Distributoren notwendig, deren Netz man sich bediente, so läuft man heute in Abhängigkeit von "digitalen" Distributoren.
Flatrate hört sich zuerst mal sehr einfach an. Ich verkaufe jemanden für eine einmalige (wiederkehrende?) Zahlung das Recht, einen Musikkatalog zu nutzen. Die Attraktivität daraus ergibt sich vor allem durch das angebotenen Repertoir im Verhältnis zu einem attraktiven Preis.
Im derzeit diskutierten Fall geht es wohl eher um eine "Einmalzahlung", die mit dem Gerätekauf direkt verbunden ist. Der Musikindustrie kann aber im Grunde nur darauf abzielen, monatliche Flatrates zu erzielen, um ein langfristig hardwareunabhängiges Einkommensmodell aufzubauen.
Flatrates wenden sich nicht an jedermann! Sicherlich an ein Klientel, das zu den Intensivnutzern zu zählen ist, da eine solche Form von Vertrag nur dem nutzt, der auch gezielt investiert, um seiner Vorausleistung auch ein adäquates Produkterlebnis folgen zu lassen. Das heisst aber auch, dass eine Flatrate auf reine Katalogprodukte vermutlich schnell unattraktiv werden wird.
Resultierende Fragen:
- Was geschieht mit Neuheiten? Werden die Produkte ab Veröffentlichung angeboten?
- Was geschieht mit Indie- und Nischenanbietern? Ist die Erkenntnis aus "The Long Tail" von Chris Anderson mit Flatrate überhaupt möglich und umsetzbar?
- Wie ist die Nutzung der Downloads für die Kunden geregelt?
- Wie ist die Sicht der Urheber/und der Verwertungsgesellschaften?
- Haben die Flatrates Einfluss auf die Preisgestaltung von Download-Shops und physischem Handel?
Das Modell wirft viele Fragen auf und man darf gespannt sein, wohin die Flatrate-Reise geht.